Ganzheitlichkeit von Campus-Management-Systemen
als Akkreditierungsvorteil

Bieletzke, S., Beise, A.

Bielefeld/Bonn, Juli 2009

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis........................................................................ 1

1 Einleitung................................................................................... 2

2 Campus-Management-System  (E-Campus)............................. 3

  2.1 Abgrenzung......................................................................... 3

  2.2 Erwartungen der Nutzer...................................................... 4

  2.3 Dimensionen der Ganzheitlichkeit........................................ 6

3 Deutsches Akkreditierungssystem........................................... 8

  3.1 Akteure und Verfahrensgrundlagen................................... 8

  3.2 Programm- und Systemakkreditierung................................. 9

4 Akkreditierung und Campus Management.............................. 10

  4.1 Relevante Prüfkriterien bei Programmakkreditierung......... 10

    4.1.1 Erst-Akkreditierung von Studiengängen...................... 10

    4.1.2 Re-Akkreditierung von Studiengängen........................ 11

  4.2  Relevante Prüfkriterien bei Systemakkreditierung............ 12

5 Fazit........................................................................................ 13

Literaturverzeichnis................................................................... 16


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1     Einleitung

Im Zuge neuerer Hochschulreformen vollzieht sich im Bereich der öffentlichen Hochschulen ein Paradigmenwechsel der Governance-Mechanismen. Während öffentliche Universitäten und Fachhochschulen bisher – im Gegensatz zu Hoch­schulen in privater Trägerschaft – in weitem Maße durch den Staat reguliert und gesteuert wurden, werden seit Mitte der 1990er Jahre unter dem Label des „new public management“ verstärkt Marktmechanismen in das Wissenschafts- und Hoch­schul­system eingeführt. Eine erhöhte Autonomie und der wachsende Wettbewerb zwischen den Hochschulen kennzeichnen diesen Wandel.[1] Die skizzierte Ent­wicklung geht einher mit der wachsenden Bedeutung unter­nehmer­ischen Denkens. Auch von öffentlichen Hochschulen wird nun erwartet, dass sie als „unter­nehmerisch funktionsfähige Einrichtungen auf einem (…) Markt agieren“[2].

Somit stehen öffentliche und private Hochschulen gleichermaßen vor der Heraus­forderung, Wettbewerbsvorteile im Hoch­schul­markt zu erkennen und aus­zu­bauen. Als ein Wettbewerbsvorteil ist dabei die verwendete Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) anzusehen. Innerhalb der IKT-Landschaft einer Hochschule sind diejenigen Systeme, die auch die studentischen Kunden dialog­orientiert integrieren, von besonderer Bedeutung. Denn erst durch die Inte­gration der Kunden können kostensenkende Effekte, z. B. durch Self-Service, aber auch eine Steigerung der wahrgenommenen Qualität, z. B. durch jederzeitige Ver­fügbarkeit von Inhalten, erreicht werden.

Die Bedeutung derartiger integrierter Campus-Management-Systeme haben auch die Akteure im Bereich Akkreditierung erkannt. Auch wenn bisher kein Kriterium die Existenz eines Campus-Management-Systems fordert, so werden bei der Begut­achtung von Hochschulen bzw. Studiengängen immer auch Faktoren geprüft, deren Er­füllung erst durch  Campus-Management-Systeme in effizienter Art möglich ist. So kann eine Evaluation der Lehre sicher durch paper-pencil-Befragungen erfolgen, häufig sind diese aber aufgrund sehr geringer Rücklaufquoten wenig aussagekräftig und ihre Auswertung zudem oftmals zeitintensiv und ineffizient. Eine Evaluation im Campus-Management-System hingegen kann, wie zu zeigen sein wird, zu einer hohen Teilnahmequote und einer schnellen, zielorientierten Auswertung führen. Welche Funktionen von  Campus-Management-Systemen akkreditierungsrelevant sind, wird im Folgenden erarbeit. Drei Thesen sollen dabei untersucht werden und argumentationsleitend sein[3]:

1.   Die Existenz eines Campus-Management-Systems wird vom Akkreditierungsrat als wesentliche Qualitätsanforderung definiert und damit zu einem expliziten „K.O.“-Kriterium bei Akkreditierungen.

2.   Mehr und mehr Daten werden web-basiert verarbeitet.

3.   Erst die Ganzheitlichkeit der Datenhaltung erschließt ein verbessertes Qualitätsmanagement.

Unterstellt wird, dass erst, wenn  die Daten zentral gehalten werden, es möglich ist, mit allen am Wertschöpfungsprozess beteiligten Lehrenden, Studierenden und Verwaltungsmitarbeitern in dezentraler Art an diesen Daten zu arbeiten. Heutzutage verfügbare Internet-Technologien er­möglichen dabei sowohl den sicheren Betrieb von Anwendungen als auch die sichere Daten­haltung im Web. Erst die Zentralisation der Daten im Web führt zu durch­weg konsistenten Informationen und auch zu der Möglichkeit, in übergreifenden Ab­fragen von Datenbeständen dem Management eine Art Business-Intelligence-System zu realisieren. Die anzustrebende Ganz­heit­lichkeit bedeutet dabei, dass Qualitäts­beauftragte online und analytisch-regel­basiert die Qualitätsprobleme signalisiert bekommen. Eine solche Qualitäts­transparenz wiederum mag für die System­akkreditierung ein aus­schlag­gebender Faktor sein und möglicherweise zukünftig explizit in Kriterienkataloge aufgenommen werden.

2     Campus-Management-System
(E-Campus)

2.1     Abgrenzung

Campus-Management-Systeme zeichnen sich durch eine ganzheitliche Abbildung spezifischer Hochschulprozesse aus. Da Ganzheitlichkeit die Integration des Kunden erfordert und diese effizient derzeit nur durch web-basierte Systeme möglich ist, wird „web-basiert“ ein erstes Definitionsmerkmal sein müssen. Lern-Management-Systeme (LMS) sind zwar web-basiert, ihnen fehlt es aber an spezifischer Funktionalität, denn sie unterstützen vorrangig nur den Prozess des Lernens. Beim darauf aufbauenden 5C-LMS gibt es schon Zusatzfunktionen, denn die 5C stehen für Content, Communication, Colla­bo­ration, Coordination und Community. Aber erst wenn der Funktionenumfang die typischen Prozesse einer Hochschule abbildet, kann von einem E-Campus im Sinne eines Campus-Management-Systems gesprochen werden. Folgende Definition soll deshalb verwendet werden:

Ein Campus-Management-System (E-Campus) zielt auf eine ganzheitliche, web-basierte Abbildung der bedeutsamen Systemelemente einer Hochschule und ihrer spezifisch funktionalen Beziehungen und ermöglicht eine partizipative Integration der Systemelemente.

Systemelemente sind z. B. Studierende, Alumni oder Lehrende, Verwaltung oder Management, aber auch Ressourcen. Beziehungen bestehen vielfältig z. B. durch Veranstaltungen in Räumen, die gem. Studienplan in einem Notenvergabe-Prozess enden. Spezifisch für Hochschulen wäre z. B. die Berechnung und Vergabe von ECTS-Grades. Ähnlich spezifisch sind Workload-Erhebungen mit gekoppelten Evaluationen, die erst durch die partizipative Integration des Studierenden ermöglicht werden.

2.2     Erwartungen der Nutzer

Im Folgenden werden die Erwartungen und Wünsche unterschiedlicher Nutzergruppen an ein integriertes Campus-Management-System beschrieben. Berück­sichtigt werden dabei Lehrende, Verwaltungsmitarbeiter sowie das Management (Dekane/Prodekane/Rektor/Kanzler) und die Studierenden.